Wähle den passenden Shop. Preis, Versand und Verfügbarkeit können sich kurzfristig ändern.
Rebuy.de
Bewegende Odyssee einer von der Nazi-Ideologie überzeugten 15Jährigen durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland von 1945 und ihr Kampf mit der schrecklichen Wahrheit. Eine Bilderbuchfamilie scheint da in der luxuriösen Villa zu wohnen: Adrette Kinder, eine schöne Mama und ein zackiger Papa. Mit den Privilegien ist es bald aus, der Hausherr war als hochrangiger SS-Offizier am Massenmord in Weißrussland beteiligt, während der bezopfte Nachwuchs sich an Hüpfspielen erfreute. Nach der Verhaftung der Eltern durch die Alliierten macht sich die Titelfigur mit ihrer Schwester, den Zwilling-Jungs und dem wenige Monate alten Baby auf den beschwerlichen Weg von Süd- nach Norddeutschland zur Großmutter. Es wird eine von Tod begleitete Odyssee durch ein zerstörtes Land und zerstörte Seelenlandschaften. Dass ausgerechnet die australische Regisseurin Cate Shortland (Somersault) sich des diffizilen Themas annahm, hat Gründe, die deutsch-jüdische Familie ihres Mannes floh 1936 aus Berlin. So stammen auch die Fotos in der Brieftasche eines jungen Juden und KZ-Überlebenden, der sich zeitweise Lore anschließt, aus dem Familienalbum. Diese rätselhafte Figur hilft aus unerklärlichen Gründen der kleinen Gruppe bei der Flucht durch die Sektoren und beim Ausweichen der Militärkontrollen, freundet sich mit den Kindern an, während ihm Lore fast feindlich gegenüber steht, nicht nur wegen des staatlich verordneten Judenhasses, sondern auch weil sie fürchtet, ihr einziger Halt, das nationalsozialistische Weltbild könne ins Wanken geraten. Genau darum kreist die emotionale Geschichte aus der Sicht einer in sich zerrissenen Heranwachsenden, die wie so viele in der besiegten Nation noch nach der Kapitulation ihren Führer als Vaterfigur liebt und die Augen vor dem Horror des Holocausts verschließt. Shortland wagt es, in der subtilen Verfilmung von Rachel Seifferts Roman Die dunkle Kammer, auch die deutsche Zivilbevölkerung als Opfer des Faschismus zu zeigen, die nach dem Zusammenbruch versucht, zu verstehen, was mit ihr passiert ist, auf welchen Wahnsinn sie sich eingelassen hat und oft sehr schmerzvoll und widerwillig die Wahrheit erkennt. Oder wie am Ende die Großmutter einfach alles verdrängt und zur Tagesordnung übergeht. Das nachhaltige Nachkriegsdrama und überzeugt mit großartigen Bildern und Newcomerin Saskia Rosendahl in der Titelrolle als Mädchen zwischen Sicherheit und Zweifel, jugendlichen Gefühlen und Überlebenswillen. mk.